Die retrograde Zeitanzeige

retrograde-uhrenEine rückläufige Uhr trägt ihren Namen, weil ihr Zeiger beim Anzeigen der Uhrzeit in die, der normalen Zeitanzeige entgegengesetzte, das heißt rückwärts, läuft. Häufig zum Einsatz kommen rückläufige Uhren in Ländern, in denen auch die Leserichtung umgekehrt ist. Allerdings gibt es auch retrograde Uhren, die in dem Sinne keine rückläufige Uhren sind.

Sie stellen im Hinblick auf die Art ihrer Zeitanzeige eine weitere Besonderheit dar. Der Zeiger überstreicht bei diese retrograden Zeitanzeige nicht wie bei gewöhnlichen Uhren einen kompletten Kreis, sondern nur einen Teilkreis und springt, wenn er am Ende der Skala angekommen ist, rückwärts auf seinen Ausgangspunkt zurück.

Das Uhrwerk muss bei einer rückläufigen Uhr nicht aufwändiger gestaltet werden, als bei normalläufigen Uhren. Das von retrograden Uhren muss dagegen aufwändig umgestaltet werden. Der Zeiger einer solchen retrograden Zeitanzeige spannt beim Überstreichen der Skala, die die Uhrzeit angibt, eine Feder, die den Zeiger am Ende de Skala auf seinen Ausgangspunkt zurück zieht. Ein solches retrogrades Uhrwerk ist naturgemäß nicht nur viel aufwändiger in der Herstellung sondern auch in der Wartung.

Retrograde Uhren und ihre Entwicklung

retrograde-zeitanzeigeErfinder der retrograden Uhr soll Hans Buschmann aus Augsburg gewesen sein. Bereits um 1650 brachte er eine Taschenuhr mit retrograden Zeitanzeige auf den Markt. Diese zeigt die Uhrzeit in der oben erläuterten Form an, d.h. der Zeiger springt am Ende einer Skala zurück. Allerdings war seine Uhr rund, was für eine retrograde Zeitanzeige nicht unbedingt notwendig ist. Die sogenannte „Sector Watch“ von Record Watch dagegen war dreieckig. Das schwierig zu fertigende dreieckige System führte schlussendlich auch zur raschen Einstellung der Produktion.

Sie war zu kostspielig. Heute haben viele Uhrenmodelle retrograde Komponenten, wie z.B. die retrograde Uhr „Masterpiece Retrograde“ vom Hersteller Maurice Lacroix, die nicht nur die Uhrzeit, sondern auch das Datum anzeigt. Ein weiteres Beispiel sind die rückläufigen Uhren aus der Master Collection Retrograde von Longines, die zusammen mit einer retrograden Zeitanzeige teilweise drei oder mehr retrograde Komplikationen besitzen.

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Komplikationen neben der retrograden Uhrzeitanzeige

retrograde-Uhrzeitanzeige-KomplikationNeben der oben beschriebenen retrograden Zeitanzeige gibt es auch Uhren die eine rückwärts laufende, bzw. zurückspringende Datumsanzeiger besitzen. Die Masterpiece Kalender Retrograde von Maurice Lacroix besitzt eine retrograde Anzeige für den aktuellen Kalendertag. Die Skala dieser Anzeige besitzt die Ziffern von 1 bis 31 und hier wird schon in grundsätzliches Problem von Datumsanzeigen mechanischer Uhren deutlich.

Nicht jeder Monat besitzt 31 Tage. Der Februar besitzt sogar nur 28, in Schaltjahren dann 29 Tage. Solche Veränderungen in den Uhrwerken zu implementieren ist ausgesprochen aufwändig. Die Mechanik muss in einem solchen Fall sowohl wiedergeben, in welchem Monat wievielte Tage vorkommen, als auch, ob es sich beim aktuellen Jahr um eine Schaltjahr handelt, oder nicht. Deswegen sind solche Kalender auf mechanischen Uhren nicht nur sehr selten, sondern auch ausgesprochen preisintensiv.

Retrograde Uhren ermöglichen eine vielseitige Ziffernblattgestaltung

Junghans-Creator-1861-Retrograde-UhrBei der Gestaltung einer rückläufigen Uhr ist die Anordnung der Ziffern zu Anzeige der Uhrzeit auf dem Ziffernblatt logischerweise ebenfalls rückläufig. So befindet sich die Ziffer 1 hier links, und nicht rechts neben der 12. Retrograde Uhren, bzw. retrograde Anzeigen auf Uhren, ermöglichen eine komplette Neustrukturierung des Zifferblatts. Ein gutes Beispiel dafür ist, wie schon erwähnt, die „Sector Watch“ von Record Watch, deren Gehäuse und damit auch Ziffernblatt annähernd dreieckig gestaltet ist, da der Zeiger nur ein Teilstück eines Kreises abfährt, bevor er auf null zurück springt.

Es lassen sich jedoch auch in eine Uhr mit der zentrischen Zeitanzeige, retrograde Elemente im Zentrum des Ziffernblattes anordnen, z.B. Datumsanzeigen oder eine Anzeige der Gangreserve. Die „Creator 1861 Retrograde“ von Erhard Junghans dagegen kombiniert ein normales, kreisläufiges Uhrwerk mit einem retrograden Anzeigesegment. Im oberen Drittel des Ziffernblattes. Dieses Segment übernimmt die Sekundenanzeige.

Die Uhr läuft weder rückwärts, noch springen die Sekundenzeiger. Stattdessen sind zentral, zusammen mit Stunden- und Minutenzeiger, insgesamt drei unterschiedlich lange Sekundenzeiger, um 120 Grad versetzt zueinander angeordnet. Die Sekundenskala ist in drei Segmente geteilt, die untereinander konzentrisch zum Mittelpunkt angeordnet sind. Der längste Zeiger erreicht die Skala 0 bis 20 Sekunden. Hat er diese durchlaufen erreichter mittlere Zeiger die darunter liegende Skala von 20 bis 40 Sekunden und so weiter. Der Fantasie des Uhrenmachers sind hier also kaum Grenzen gesetzt.

Die besten retrograden Uhren

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Seiko Kinetic Retrograde Uhr

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