Was ist Seiko Spring Drive?

seiko-spring-drive-mechanismusUhrenliebhaber, welche die Kunst des Handwerks einer mechanischen Uhr zu schätzen wissen, aber gleichzeitig nicht auf die Genauigkeit einer Quarzuhr verzichten möchten oder können, finden in der Seiko Spring Drive das passende Modell. Eine Seiko Spring Drive ist ein Hybrid aus einer rein mechanischen Automatik-Uhr und einer quarzgesteuerten, aber auch auf elektrische Energie angewiesenen Quarzuhr. Um die Idee des japanischen Seiko-Ingenieurs Yoshikazu Akahane zur Seiko Spring Drive umzusetzen, bedurfte es vieler innovativer Entwicklungen. Innerhalb von rund 30 Jahren entstanden 600 Prototypen, bis die Entwicklung dieses neuen Uhrwerks im Jahre 2005 schließlich soweit fortgeschritten war, dass Seiko sich entschied, das Werk unter dem Namen Seiko Spring Drive auf den Markt zu bringen. Herzstück ist dabei der namensgebende Spring Drive, zu Deutsch „Federantrieb“, durch den die mechanische Uhr angetrieben wird. Besonders innovative ist jedoch das neue Regulierungssystem, dass die bei herkömmlichen Uhren zur Energiespeicherung vorherrschende System per Ankerhemmung vollständig ersetzt. Das stellt zusammen mit weiteren ausgeklügelten Maßnahmen sicher, dass die Seiko Spring Drive rund zehn Mal genauer läuft als andere hochwertige mechanische Automatik-Uhren. Die Seiko Spring Drive gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, zum Beispiel als Dreizeigermodell mit Datumsanzeige, als Chronograph mit weiteren Funktionen wie Zeitnehmerfunktionen und als Grand Seiko Spring Drive Modell mit größerem und dickeren Werkgehäuse. Allen ist die besondere Zuverlässigkeit sowie perfekte Verarbeitung gemein. Dass Seiko stolz auf sein Werk ist, sieht man an der weiteren besonderen Bearbeitung des Werkes: das Werkgehäuse ist mit so genannten „Genfer Streifen“ veredelt. Auch hierfür hat sich Seiko etwas Besonderes einfallen lassen: Die von Seiko „Zaratsu“ genannte Technik wird per Hand ausgeführt und sorgt für vollendete Oberfläche von höchster Qualität

Eigenschaften von Seiko Spring Drive

Neben dem unverwechselbaren Design zeichnet sich die Seiko Spring Drive besonders durch einen energieeffizienten Schnellaufzug, eine hohe Ganggenauigkeit, eine überdurchschnittlich lange Gangreserve und die eleganten Gleitzeiger aus.

Wie funktioniert ein Seiko Spring Drive Mechanismus?

Gleitzeiger beim Spring Drive

Wie-funktioniert-ein-Seiko-Spring-Drive-MechanismusDas Werk der Spring Drive verfügt über eine Besonderheit, die Sie mit Sicherheit von den großen elektrisch betriebenen Seiko Uhren in Bahnhöfen kennen und bei genauem Hinsehen auch bei der Seiko Spring Drive bemerken werden: der so genannte „Gleitzeiger“. Darunter versteht Seiko eine gleichförmige Bewegung der Zeiger über das Ziffernblatt. Im Gegensatz zu der großen „Bahnhofsuhr“, die zur vollen Minute ihre Zeiger ab und zu schon einmal (scheinbar) anhält, geschieht diese Bewegung bei der Spring Drive aber völlig gleichförmig. Der Gleitzeiger-Effekt konnte realisiert werden, da die Spring Drive nicht mehr wie herkömmliche Uhren über eine Hemmung verfügt, die mechanisch hochbelastet und zudem ein Verschleißteil ist. Anmutung, Eleganz und Zuverlässigkeit der Uhr werden durch den Entfall der Hemmung weiter wesentlich erhöht. Die Spring Drive ist übrigens die einzige Uhr der Welt, die den Gleitzeiger-Effekt perfektioniert hat.

Der Mechanismus der Spring Drive bezieht seine Energie wie herkömmliche mechanische Uhren mit automatisch aufziehendem Werk durch das Tragen der Uhr am Handgelenk,. Und für den Fall, dass die Uhr länger abgelegt wird, oder das Handgelenk des Trägers sich zuwenig bewegt, durch das Aufziehen der Zugfeder per Krone.

Spring Drive Innovationen

seiko-spring-drive-aufbau-explosionszeichnung-uhrwerkAls die drei wichtigsten Innovationen sind im Zusammenhang mit einer Grand Seiko das Tri-Synchro Regulationssystem, die Zugfeder aus der Legierung SPRON 510 sowie der Magic Lever zu nennen.

Das Tri-Synchro Regulationssystem

Das Tri-Synchro Regulationssystem wurde eigens für die neue Antriebstechnik entwickelt. Es arbeitet auf dreierlei Weise:

  1. die mechanische Energie der Zugfeder wird kontrolliert in Vortrieb umgesetzt
  2. ein kleiner Teil der in der Feder gespeicherten Energie wird für den Betrieb des Schwingquarzes abgezweigt
  3. ein elektromagnetische Kraftimpuls wird für die Regulierung des Gleitrades im Uhrwerk genutzt

Die Zugfeder beim Spring Drive

Schon das Material der Zugfeder unterscheidet Spring Drive von herkömmlichen Seiko Uhren. Denn es besteht aus der Legierung „Spron 510„, einer Eigenentwicklung von Seiko. Die Legierung Spron 510 ist eine Weiterentwicklung der bereits lange bewährten Legierung „Spron 100“, sie wird für das Material der Zugfeder ausschließlich bei den hochwertigsten Werken von Seiko verwendet, Bei SPRON510 handelt es sich dabei um eine hoch alterungsbeständige nicht magnetische und besonders hochfeste Legierung, die hauptsächlich aus den Metallen Kobalt, Nickel, Chrom und Molybdän besteht. Einige geheime weitere Zusatzstoffe sorgen für weitere definierte Eigenschaften und damit eine weitere Qualitätszunahme, perfekt geeignet für den Einsatz in einer perfekten Uhr.

Der Magic Lever beim Spring Drive

Direkt am Schnellaufzug sitzt der „Magic Lever“ genannte magische Hebel, welcher für eine Energieübertragung mit dem geringstmöglichen Verlust sorgt: Der Mechanismus ist dabei als doppelter Hebel ausgeführt, der direkt am Rotor-Schaft des Aufzugs angebracht ist. Dabei greift der Magic Lever auf eine schon etwas ältere Idee des Uhrenherstellers zurück: Er wurde bereits 1959 von Seiko entwickelt und aktuell für die neue Anwendung so überarbeitet, dass er nun in seiner neuen Ausführung sowohl Drehbewegungen im Uhrzeigersinn als auch gegen Drehbewegungen gegen den Uhrzeigersinn für den Antrieb des Werks nutzen kann. Es ist für die Effektivität der Aufzugsmechanik also egal, ob der Träger der Seiko Uhr seinen Zeitmesser bevorzugt am linken oder rechten Handgelenk trägt, was das Anwendungsspektrum wiederum erweitert.

Seiko Spring Drive Chronograph

Stellvertretend für eine Vielzahl von durchdachten und hochwertigen Detail-Lösungen seien für die Realisierung des Spring Drive Chronograph hier nur zwei Ansätze genannt. Die vertikale Kupplung und der zweistufige Drücker. Die vertikale Kupplung sorgt dafür, dass die Nutzung der Zusatzfunktionen der Uhr -vom Fachmann auch „Komplikationen“ genannt, keine messbaren Auswirkungen auf die Genauigkeit des Grunduhrwerkes haben können. So bleibt die garantierte maximale Gangabweichung des Chronographen von nur einer Sekunde pro Tag (die in der Praxis häufig noch deutlich besser ausfällt) beispielsweise auch bei Nutzung der Stoppzeitmessung des Spring Drive Chronograph erhalten. Durch einen zweistufigen Drücker mit leichtem, aber deutlich fühlbarem Widerstand ist bei den Werken mit zusätzlicher Chronographenfunktion ein präzises Stoppen der zu stoppenden Zeit auf den Sekundenbruchteil genau möglich. Durch den zweistufigen Drücker wird also die Präzision des Uhrwerkes voll ausgenutzt.

Spring Drive Kaliber 9R65

Seiko-Spring-Drive-Kaliber-9R65Die Grand Seiko Spring Drive ist mit einem Kaliber 9R65 ausgestattet. Die Grundform des Grand Seiko Spring Drive wurde bereits im Jahre 1960 erdacht und im Laufe der Jahre stetig verbessert und weiter perfektioniert. Das Kaliber 9E65 weist eine Lagerung von 30 Steinen auf, zudem ist es mit einer Datumsanzeige per Tagesdatum ausgestattet. Der Frequenzoszillator schwingt mit quarzgesteuerten 32.768 Schwingungen pro Sekunde, die Ganggenauigkeit des Kalibers 9R65 weist eine maximale größte Genauigkeit von +/- 10 Sekunden pro Monat auf und liegt damit von den Gangabweichungen deutlich unter der von der Schweizer Schweizer Kontrollstelle für Chronometer COSC (Contrôle officiel suisse des chronomètres) festgelegten Chronometergenauigkeit von max. 7 Sekunden pro Tag – auch das ist bereits ein hervorragender Wert. Die Gangreserve beträgt bei dem Kaliber 9R65 72 Stunden, das entspricht drei Tagen. Die vorgenannten Werte beziehen sich auf den in der Praxis relevanten Temperaturbereich von –10 °C bis +60 °C. Für die Grand Seiko wurde das Design des Spring Drive in aufwändiger Präzisionsarbeit auf die richtige Größe angepasst.

Erfahrungen mit Seiko Spring Drive

Die technisch ausgeklügelte Seiko Uhr ist sehr gut verarbeitet, was auch ihren Preis von mehreren Tausend Euro rechtfertigt. Seiko ist im Bereich der hybridgetriebenen Uhren seit langer Zeit als eine der innovativstem Marken am deutschen Markt und gilt als sehr zuverlässige und langlebige Uhr. Besitzer der Seiko Spring Drive „bemängeln“ in Uhrenforen –wohl eher zum Amusement der anderen Leser–, dass die Uhr „recht langweilig“ geraten sei: so berichtet ein Besitzer, dass die Ganggenauigkeit mit unter 1 Sekunde pro Sommer- bzw. Winterzeit so präzise sei, dass er die Uhr nicht mehr nachstellen müsse, außer bei den Übergängen von einer Zeitperiode in die andere, „zu denen ich die Uhr mal neu stellen muss“. Mit den im normalen Alltag schon völlig ausreichenden drei Tagen Gangreserve sei der Benutzer völlig zufrieden. Gut gefiel den Besitzern auch die präzise Anzeige der Gangreserve. So habe man immer im Blick, wie lange die Uhr noch laufe, würde man sie jetzt ablegen. Die Verarbeitung der Seiko Spring Drive wurde einhellig als „erstklassig“ und damit als perfekt gelobt, keine Mängel, Unregelmäßigkeiten oder sonst wie störende Verarbeitungseigenschaften seien zu finden bis jetzt gewesen. Die Indizes seien erstklassig ausgerichtet, das Zifferblatt sei lupenrein. Auch nach über einem Jahr täglicher Tragezeit freue sich dieser Benutzer einer Grand Seiko „immer noch häufig über diese Uhr, die perfekte Verarbeitung, den fließenden Sekundenzeiger und das gute Gefühl am Arm.“