Uhren mit 316L Edelstahl

Uhren mit 316l-edelstahlUhren mit 316L Edelstahl sind relativ selten und meist auch recht teuer. Aber was ist 316L Edelstahl eigentlich und warum verwendet man ein solches Material bei Armbanduhren? Per Definition ist Edelstahl 316L eine Legierung mit Molybdän und die kohlestoffarme Variante der 316 Legierung (Standardstahl). Diese chemische Zusammensetzung macht die 316L Edelstahllegierung besonders widerstandsfähig und beständig gegen Korrosion, was speziell bei Uhren von Vorteil ist, die oft mit Salzwasser in Kontakt kommen, denn dieses Wasser greift das Gehäuse einer Uhr besonders an. Das 316L Edelstahl wird daher oft bei Uhren im Gehäuse und/oder den Armbändern eingesetzt, um sie widerstandsfähiger gegen Wasser zu machen. Speziell bei Sportuhren und Outdoor-Uhren ist eine 316L Legierung von Vorteil, damit das Uhrengehäuse nicht rostet.

U-Boot Stahl bei Armbanduhren

uhren-mit-u-boot-stahlDas klingt erst einmal ungewöhnlich, aber Uhren mit 316L Edelstahl sind zum Teil aus dem gleichen Material gefertigt wie ein U-Boot, denn auch hier kommt diese spezielle, gegen Salzwasser und Korrosion beständige Legierung zum Einsatz. Gerade bei Taucheruhren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Zeitmesser oft mit Wasser in Kontakt kommen und daher speziell geschützt werden müssen. Ein anderer Einsatzzweck von 316L Edelstahl ist bspw. in der Küche, im Sanitärbereich und sogar in der Medizin- und Zahntechnik – also immer dort, wo Stahl mit Wasser und in Kontakt kommt und rosten kann.

Austenitischer Edelstahl 316L

Der 316L Edelstahl wird auch oft als austenitisch bezeichnet, besser bekannt als „nichtrostender Stahl“. In dieser Art von Stahl ist der Gefügebestandteil Austenit, der für seinen niedrigen Festigkeitswert, hohen Zähigkeitswerte und seine geringe Wärmeleitfähigkeit bekannt ist. Man unterscheidet bei dieser speziellen Art von Edelstahl in vier verschiedene Kategorien:

  • 1.4404 (X2CrNiMo17-12-2), AISI 316L, (A4L)
  • 1.4429 (X2CrNiMoN17-13-3), AISI 316LN
  • 1.4440 (X2CrNiMo19-12), AISI 316L
  • 1.4435 (X2CrNiMo18-14-3), AISI 316L

Alle vier Kategorien von 316L Edelstahl gehören zu den rostfreien Stahlsorten und unterscheiden sich im Wesentlichen in ihrer chemischen Zusammensetzung in Punkto Stickstoffzusatz, Molybdängehalt und Nickelgehalt. Alle vier Arten der 316L Stahllegierung sind zudem wenig bis gar nicht magnetisierbar, was wiederum gerade bei Armbanduhren ein weiterer Vorteil ist.

Chemische Zusammensetzung von 316L Edelstahl

316 Edelstahl 316L Edelstahl
Element Min Max Min Max
C 0,08 0,35
Mn 2 2
Ni 10 14 10 15
Cr 16 18 16 18
Mo 2 3 2 3
S 0,03 0,03
Si 1 1
P 0,045 0,045

Mechanische Eigenschaften der 316L Edelstahl-Legierung

Anlassgeglüht Geglüht Kaltverarbeitet (ca. 20 %)
Materialien 316 316L 316 316L
Zugfestigkeit Rm 75 70 ksi (min) 102-131 ksi (min)
Zugfestigkeit Rm 515 485 MPa (min) 700-900 MPa (min)
R.p. 0,2 % Dehngrenze 30 27 ksi (min) 73-102 ksi (min)
R.p. 0,2 % Dehngrenze 205 182 MPa (min) 500-700 MPa (min)
Dehnung (50mm bzw. 5,65√so) 35 % (min) 40 % (m

Uhren mit Damaszener-Stahl

damasko-uhren-mit-damaszener-stahlIm Zusammenhang mit dem Edelstahl 316L bei Uhren wird oft auch der Damaszenerstahl genannt. Dieser Stahl wird seit mehr als 2.000 Jahren in Europa hergestellt und wurde im Mittelalter oft zur Herstellung von Blankwaffen wie Schwertern und Säbeln verwendet, weil der Damaszener-Stahl ein guter Kompromiss aus hart und weich ist. Bei Uhren wird diese Stahlsorte bspw. beim deutschen Luxusuhren-Hersteller Damasko verwendet, um besonders widerstandsfähige Uhrengehäuse zu erschaffen, welche mit einer Härte von 760HV im Vergleich zur 316L Legierung deutlich härter sind. Der 316L Edelstahl kommt dagegen nur auf eine Härte von 120 bis 180HV. Gemeinsam haben Damaszenerstahl und 316L Edelstahl, dass sie korrosionsbeständig und damit eben beinahe rostfrei sind. Uhrengehäuse aus diesem Material sind daher deutlich teurer aber eben auch langlebiger.